Die kurze Antwort: 300.000 bis 800.000 €, je nach Rendite
Für 1.000 € netto im Monat brauchst du 12.000 € Ertrag im Jahr, nach Steuern. Bei 4 % Ausschüttung oder Entnahme sind das rund 300.000 € Kapital, wenn du Steuern ausklammerst, und rund 399.000 €, wenn du Abgeltungsteuer und Sparerpauschbetrag einrechnest. Je höher die angenommene Rendite, desto kleiner die Summe. Doch höhere Renditen schwanken stärker und sind nicht verlässlich.
Die Formel ist einfach: Kapital = benötigter Jahresertrag ÷ Rendite. Der Knackpunkt ist nicht die Rechnung, sondern die Frage, welche Rendite du ehrlich ansetzen kannst.
Tabelle: So viel Kapital brauchst du für 1.000 € netto im Monat
Grundlage für die Steuer: In Deutschland fallen auf Kapitalerträge 25 % Abgeltungsteuer an, dazu 5,5 % Solidaritätszuschlag auf die Steuer, zusammen 26,375 %. Steuerfrei bleiben 1.000 € Sparerpauschbetrag pro Person im Jahr, bei Ehepaaren 2.000 € (Sparkasse, Volksbanken Raiffeisenbanken).
Damit nach Steuern 12.000 € übrig bleiben, müssen für eine alleinstehende Person rund 15.941 € brutto hereinkommen. Davon gehen rund 3.941 € an das Finanzamt.
Rechenbeispiel (Alleinstehende, keine Kirchensteuer, gesamter Ertrag steuerpflichtig wie bei Zinsen oder Dividenden):
| Ausschüttung/Entnahme pro Jahr | Kapital ohne Steuern | Kapital nach Abgeltungsteuer |
|---|
| 2 % | 600.000 € | rund 797.000 € |
| 3 % | 400.000 € | rund 531.000 € |
| 4 % | 300.000 € | rund 399.000 € |
| 5 % | 240.000 € | rund 319.000 € |
| 6 % | 200.000 € | rund 266.000 € |
| 8 % | 150.000 € | rund 199.000 € |
Drei Dinge verschieben die Zahlen. Zahlst du Kirchensteuer, kommen laut Sparkasse 8 % (Bayern, Baden-Württemberg) oder 9 % (übrige Bundesländer) Kirchensteuer auf die Abgeltungsteuer hinzu, und das nötige Kapital steigt etwas. Bei Ehepaaren mit 2.000 € Freibetrag sinkt es leicht. Entnimmst du Geld aus einem Fonds, wird nur der Gewinnanteil besteuert, bei Aktienfonds greift zusätzlich eine Teilfreistellung. Welche Variante für dich gilt, klärst du am besten mit einem Steuerberater.
Welche Rendite ist realistisch? Aktuelle Richtwerte
Ohne Kursrisiko bekommst du derzeit rund 2 % aufs Tagesgeld. Laut der Marktanalyse von Tagesgeldvergleich.net lag der Durchschnitt aller dort verglichenen Banken am 1. September 2026 bei 1,99 % im Jahr, die fünf besten Banken zahlten im Schnitt 3,65 %. Die Europäische Zentralbank hat ihren Einlagesatz zum 16. September 2026 auf 2,50 % gesetzt. Nach dieser Zahl richten sich Banken grob.
Für die 2-%-Zeile heißt das: Rund 797.000 € auf dem Tagesgeld ergeben 1.000 € netto im Monat, solange der Zins hält. Tagesgeldzinsen können sich jederzeit ändern, und Spitzenzinsen gelten oft nur für Neukunden und wenige Monate.
Dividenden liegen höher, aber ohne Garantie. Laut Biallo (9. April 2026) hat knapp die Hälfte der DAX-Konzerne 2026 eine Dividendenrendite von 3 % oder mehr. Insgesamt schütten die 40 DAX-Unternehmen laut EY 2026 rund 55,3 Milliarden € aus, ein Rekord. EY warnt aber selbst, dass die Ausschüttungen im kommenden Jahr sinken könnten. Mit 3 % Dividende landest du in der Tabelle bei rund 531.000 €, und der Aktienkurs darunter kann jederzeit fallen.
Die Zeilen für 6 und 8 % sind rechnerisch schnell erreicht, in der Praxis aber nur mit deutlich mehr Risiko zu haben. Wer so hohe Erträge Jahr für Jahr entnehmen will, zehrt in schwachen Jahren am Kapital. Wie Entnahmeraten historisch abgeschnitten haben, steht im Artikel Wie viel Geld brauche ich für finanzielle Freiheit?.
Wie lange dauert der Aufbau mit 200, 500 oder 1.000 € Sparrate?
Nimm als Ziel die 4-%-Zeile, also rund 399.000 €. Die folgende Tabelle ist ein Rechenbeispiel mit angenommener Rendite von 5 % beziehungsweise 7 % im Jahr, Start bei null, monatliche Sparrate, ohne Kosten, Steuern in der Sparphase und Inflation. Diese Renditen sind nicht garantiert.
| Sparrate pro Monat | Dauer bei 5 % | Dauer bei 7 % | Selbst eingezahlt (bei 5 %) |
|---|
| 200 € | rund 45 Jahre | rund 37 Jahre | rund 108.700 € |
| 500 € | rund 30 Jahre | rund 25 Jahre | rund 177.900 € |
| 1.000 € | rund 20 Jahre | rund 17 Jahre | rund 237.200 € |
Zwei Erkenntnisse daraus: Eine höhere Sparrate bringt dich schneller ans Ziel als zwei Prozentpunkte mehr Rendite. Und der Zinseszins braucht Zeit. Mit 200 € im Monat schaffst du das Ziel erst nach Jahrzehnten, weil in den ersten Jahren fast nur deine Einzahlungen wachsen.
Dazu kommt die Inflation. Liegt sie im Schnitt bei angenommenen 2 % im Jahr, haben 1.000 € in 30 Jahren die Kaufkraft von heute rund 552 €. Wer in 30 Jahren so viel kaufen will wie heute mit 1.000 €, muss das Ziel entsprechend höher ansetzen.
Warum „1 % am Tag“ ein Warnsignal ist
Wer die Tabelle sieht, sucht schnell nach Abkürzungen. Angebote mit Renditen wie „1 % am Tag“ oder „30 % im Monat“ wirken wie die Lösung: Dann würden schon ein paar Tausend Euro reichen.
Ein Rechenbeispiel zeigt, warum das nicht stimmen kann: Aus 1.000 € würden bei 1 % pro Tag nach einem Jahr rund 37.800 € und nach zwei Jahren rund 1,43 Millionen €. Gäbe es so eine Rendite dauerhaft, bräuchte niemand eine Tabelle wie oben.
Die BaFin rät, Angeboten zu misstrauen, die hohe Gewinne bei minimalen Risiken oder feste Renditezusagen in Aussicht stellen, und sich nicht von angeblichen Erfolgen auf Demo-Konten täuschen zu lassen. Laut BaFin gilt grundsätzlich: Je höher der versprochene Gewinn, desto größer das Risiko, Teile des Kapitals zu verlieren. Die Verbraucherzentrale beschreibt, wie auf betrügerischen Trading-Plattformen die Auszahlung verschleppt wird, bis die Ansprechpartner verschwinden.
Kann automatisiertes Trading die 1.000 € im Monat liefern?
Automatisiertes Trading kann Gewinne bringen, aber keinen festen Monatsbetrag. Das ist der entscheidende Unterschied zu den Zeilen in der Tabelle: Tagesgeld zahlt einen vereinbarten Zins, eine Dividende wird zumindest angekündigt. Ein Trading-Ergebnis steht erst am Monatsende fest und kann auch negativ sein.
Für eine Planung à la „ich brauche jeden Monat 1.000 €“ heißt das:
- Erträge schwanken. Auf gute Monate können schwache oder Verlustmonate folgen. Eine Rente oder ein Mietzuschuss lässt sich darauf nicht bauen.
- Das Kapital selbst ist im Risiko. Beim Handel mit Hebelprodukten kannst du einen Teil oder den ganzen Einsatz verlieren. Details stehen auf der Seite Risiken.
- Vergangene Ergebnisse garantieren nichts. Wer Zahlen einer Strategie ansieht, etwa auf der Seite Ergebnisse, sieht Vergangenheit, keine Zusage.
- Es ist nicht wirklich passiv. Du eröffnest ein Konto, entscheidest über den Einsatz, verfolgst die Ergebnisse und musst Verlustphasen aushalten.
Wenn überhaupt, passt automatisiertes Trading als kleiner Zusatzbaustein mit Geld, dessen Verlust du verkraften kannst, und nicht als Fundament für die 1.000 € im Monat.
Für wen sich die Rechnung nicht lohnt
Die Frage nach 1.000 € passivem Einkommen ist für manche Leser die falsche. Sie passt nicht, wenn …
- du noch Konsumschulden hast. Ein Dispo mit zweistelligem Zins frisst jede Rendite aus der Tabelle. Erst tilgen, dann anlegen.
- du keinen Notgroschen hast. Wer bei jeder Autoreparatur ans Depot muss, verkauft womöglich im falschen Moment.
- du das Geld in wenigen Jahren brauchst. Für kurze Zeiträume ist Tagesgeld die ehrlichere Wahl, auch wenn die 2-%-Zeile am meisten Kapital verlangt.
- du auf eine hohe Zeile der Tabelle setzen musst, damit es aufgeht. Wenn der Plan nur mit 8 % funktioniert, ist der Plan zu knapp.
Für die meisten führt der Weg über eine feste Sparrate in breit gestreute Anlagen und viel Geduld. Mehr Ideen im ehrlichen Vergleich findest du unter Passives Einkommen aufbauen.
Was du jetzt tun kannst
Rechne deine eigene Zeile: Entscheide, welche Rendite du ehrlich ansetzen willst, lies das Kapital aus der Tabelle ab und prüfe mit der Spartabelle, welche Sparrate dich in vertretbarer Zeit ans Ziel bringt.