Wie wird Gold in Deutschland besteuert?
Es kommt auf die Form an. Physisches Anlagegold und Gold-Wertpapiere, die einen Anspruch auf Lieferung von Gold verbriefen, sind nach mehr als einem Jahr Haltedauer steuerfrei. Verkaufst du früher, zahlst du deinen persönlichen Einkommensteuersatz auf den Gewinn. Alles, was rechtlich eine Geldforderung, ein Fonds, eine Aktie oder ein Termingeschäft ist, fällt dagegen unter die Abgeltungsteuer von 25 % (§ 32d EStG) – und zwar unabhängig davon, wie lange du hältst. Beim Gold-Trading gibt es also keine Einjahresfrist.
Wichtig vorab: Dieser Artikel erklärt die Grundregeln mit Stand September 2026. Er ersetzt keine Steuerberatung. Wenn es um echte Beträge geht, lass deinen Fall von einem Steuerberater prüfen.
Welche Gold-Anlage wie besteuert wird
| Form | Steuer auf den Gewinn | Frist | Quelle |
|---|
| Barren und Anlagemünzen | persönlicher Steuersatz, Freigrenze 1.000 € pro Jahr | steuerfrei nach mehr als 1 Jahr | § 23 EStG |
| Xetra-Gold und andere ETCs mit Lieferanspruch | wie Barren | steuerfrei nach mehr als 1 Jahr | BFH VIII R 35/14, BFH VIII R 7/17 |
| Gold-ETF in Fondsform, Papiere ohne Lieferanspruch | Abgeltungsteuer 25 % | keine | BFH VIII R 15/18 |
| Goldminenaktien | Abgeltungsteuer 25 % | keine | § 20 EStG |
| Goldminen-ETF (Aktienfonds) | Abgeltungsteuer, 30 % der Erträge steuerfrei | keine | § 20 InvStG |
| Gold-CFDs und andere Termingeschäfte | Abgeltungsteuer 25 % | keine | BMF, Rn. 9 |
Zur Abgeltungsteuer kommen Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer. Kapitalerträge bleiben bis zum Sparer-Pauschbetrag von 1.000 € pro Jahr steuerfrei, bei Ehepaaren mit Zusammenveranlagung 2.000 € (§ 20 Abs. 9 EStG).
Physisches Gold: keine Umsatzsteuer, ein Jahr Frist
Umsatzsteuerfrei nur als Anlagegold
Beim Kauf von Anlagegold fällt keine Umsatzsteuer an (§ 25c UStG). Als Anlagegold zählen Barren oder Plättchen mit einem Feingehalt von mindestens 995 Tausendstel und Goldmünzen mit mindestens 900 Tausendstel, die nach 1800 geprägt wurden, in ihrem Ursprungsland gesetzliches Zahlungsmittel sind oder waren und üblicherweise höchstens 80 % über dem Wert ihres Goldgehalts verkauft werden. Schmuck und viele Sammlermünzen fallen nicht darunter.
Spekulationsfrist: mehr als ein Jahr halten
Gold ist steuerlich ein „anderes Wirtschaftsgut“. Verkaufst du es innerhalb eines Jahres nach dem Kauf mit Gewinn, ist das ein privates Veräußerungsgeschäft (§ 23 Abs. 1 Nr. 2 EStG). Der Gewinn wird dann mit deinem persönlichen Steuersatz besteuert, nicht mit der Abgeltungsteuer. Liegt mehr als ein Jahr zwischen Kauf und Verkauf, ist der Gewinn steuerfrei.
Beim Gold-Sparplan läuft die Frist für jede Rate ab ihrem Kaufdatum. Wer nach 18 Monaten alles verkauft, hat also einen Teil länger und einen Teil kürzer als ein Jahr gehalten. Welche Anteile als zuerst verkauft gelten, klärst du vorher mit Anbieter oder Steuerberater. Mehr zu den Varianten und Kosten steht im Artikel Gold-Sparplan.
Freigrenze von 1.000 €: kein Freibetrag
Seit 2024 bleiben Gewinne aus privaten Veräußerungsgeschäften steuerfrei, wenn sie im Kalenderjahr zusammen weniger als 1.000 € betragen. Vorher lag die Grenze bei 600 € (Lohnsteuer kompakt). Zusammen veranlagte Ehepartner haben die Grenze jeweils einzeln.
Der Haken: Es ist eine Freigrenze, kein Freibetrag. Rechenbeispiel: Bei 990 € Gewinn innerhalb der Frist zahlst du nichts. Bei 1.010 € ist der gesamte Betrag steuerpflichtig, nicht nur die 10 € darüber. Zur Freigrenze zählen auch andere private Veräußerungsgeschäfte des Jahres, etwa mit Silber oder Kryptowährungen. Verluste aus solchen Geschäften darfst du nur mit Gewinnen aus privaten Veräußerungsgeschäften verrechnen.
Heb die Kaufbelege auf. Ohne Nachweis von Kaufdatum und Kaufpreis kannst du im Zweifel weder die Frist noch den Gewinn belegen.
Xetra-Gold und Gold-ETCs: Lieferanspruch entscheidet
Der Bundesfinanzhof hat 2015 entschieden, dass Gewinne aus Xetra-Gold nicht als Kapitalertrag besteuert werden, weil das Papier einen Anspruch auf Lieferung von Gold verbrieft und keine Geldforderung ist (VIII R 35/14). Es gilt deshalb dieselbe Einjahresfrist wie für Barren. Lässt du dir das Gold ausliefern, ist das laut BFH gar kein Verkauf – auch nicht innerhalb der Frist (IX R 33/17).
2020 hat der BFH das auf ein ähnliches Papier übertragen, die „Gold Bullion Securities“ (VIII R 7/17). Voraussetzung: Der Emittent muss das Geld der Anleger nahezu vollständig in Gold anlegen, und geschuldet ist in erster Linie Gold. Das gilt laut Urteil auch dann, wenn du statt Gold den Verkaufserlös verlangen kannst.
Gold-ETFs und Papiere ohne Lieferanspruch
Anders sieht es bei einem Gold-Fonds aus. Im Fall eines Schweizer Fonds, der nur in physisches Gold investierte, hat der BFH den Gewinn als Kapitalertrag besteuert, weil die Anlegerin keinen Anspruch auf Lieferung von Gold hatte (VIII R 15/18). Auch bei Zertifikaten und Gold-Warrants, die auf Geld lauten, greift die Abgeltungsteuer – selbst wenn du wahlweise Gold verlangen kannst (BFH VIII R 5/24, Juni 2025).
Praktisch heißt das: Vor dem Kauf im Wertpapierprospekt nachsehen, ob ein Lieferanspruch besteht. „Physisch besichert“ allein reicht nicht.
Goldminenaktien und Minen-ETFs
Minenaktien sind ganz normale Aktien. Kursgewinne und Dividenden unterliegen der Abgeltungsteuer, eine Haltefrist gibt es nicht. Verluste aus Aktienverkäufen darfst du nur mit Gewinnen aus Aktienverkäufen verrechnen (§ 20 Abs. 6 EStG).
Bei einem Goldminen-ETF, der als Aktienfonds gilt, sind 30 % der Erträge steuerfrei (Teilfreistellung nach § 20 InvStG). Ob dein ETF diese Einstufung hat, steht in den Fondsunterlagen oder beim Broker.
Gold-Trading mit CFDs: immer steuerpflichtig
Beim Trading auf den Goldpreis, etwa mit CFDs, kaufst du kein Gold. Das Bundesfinanzministerium zählt CFDs ausdrücklich zu den Termingeschäften (BMF-Schreiben vom 14.05.2025, Rn. 9). Gewinne sind Kapitalerträge nach § 20 Abs. 2 Satz 1 Nr. 3 EStG und unterliegen der Abgeltungsteuer. Es spielt keine Rolle, ob die Position zehn Minuten oder zwei Jahre offen war.
Verluste: Die 20.000-Euro-Grenze ist weg
Einige Jahre lang durften Verluste aus Termingeschäften nur bis 20.000 € pro Jahr verrechnet werden (Flick Gocke Schaumburg). Mit dem Jahressteuergesetz 2024 wurde diese Beschränkung gestrichen, und zwar für alle noch offenen Fälle (Bayerisches Landesamt für Steuern). Verluste aus Gold-CFDs lassen sich damit wieder mit anderen Kapitalerträgen verrechnen – die Sonderregel für Aktienverluste bleibt. Wenn in einem noch offenen Steuerbescheid die Grenze angewendet wurde, frag deinen Steuerberater, ob sich eine Änderung lohnt.
Broker im Ausland: Anlage KAP selbst ausfüllen
Viele Trading-Broker sitzen im Ausland und führen keine deutsche Kapitalertragsteuer ab. Dann musst du Gewinne und Verluste selbst in der Steuererklärung angeben, in der Anlage KAP (§ 32d Abs. 3 EStG). Das gilt auch bei kleinen Beträgen. Hebe die Jahresabrechnung des Brokers auf und rechne Beträge in US-Dollar in Euro um. Wie genau, klärt dein Steuerberater. Wer das Ausfüllen vergisst, hat ein Problem mit dem Finanzamt, nicht der Broker.
Silber, Platin und Palladium: andere Regeln beim Kauf
Die Umsatzsteuerbefreiung des § 25c UStG gilt nur für Gold. Beim Kauf von Silber-, Platin- oder Palladiumbarren zahlst du deshalb in der Regel Umsatzsteuer, die du beim Verkauf nicht zurückbekommst. Bei manchen Münzen wenden Händler die Differenzbesteuerung an – frag beim Händler nach. Beim Verkauf gilt für alle physischen Edelmetalle dieselbe Einjahresfrist wie für Gold.
Was du wissen musst, bevor du Gold verkaufst
- Frist prüfen: Mehr als ein Jahr zwischen Kauf und Verkauf? Nur dann ist physisches Gold oder Xetra-Gold steuerfrei.
- Freigrenze ist kein Freibetrag: Ab 1.000 € Gewinn im Jahr ist alles steuerpflichtig.
- Produkt prüfen: Lieferanspruch ja oder nein? Das steht im Prospekt, nicht im Werbetext.
- Trading ist nie steuerfrei: Gewinne aus CFDs oder anderen Termingeschäften unterliegen immer der Abgeltungsteuer.
- Belege aufheben: Kaufrechnungen, Depotauszüge und Jahresabrechnungen mindestens bis zum Ende der Festsetzungsfrist.
- Im Zweifel fragen: Bei größeren Gewinnen, Trading-Konten oder Brokern im Ausland gehört die Steuererklärung zum Steuerberater.
Gold besitzen oder Gold handeln?
Steuerlich ist das der größte Unterschied: Wer Gold kauft und liegen lässt, kann nach einem Jahr steuerfrei verkaufen. Wer auf kurzfristige Kursbewegungen setzt, zahlt auf jeden Gewinn Abgeltungsteuer. Das betrifft auch automatisiertes Trading. GOLD MaXx handelt auf deinem eigenen Brokerkonto kurzfristig den Goldpreis (XAUUSD). Gewinne daraus sind steuerpflichtig, und wie sie in deinem Fall einzuordnen sind, hängt vom Produkt und vom Sitz deines Brokers ab – das gehört in die Hände eines Steuerberaters. Welche Verlustrisiken dazukommen, steht auf der Seite Risiko.
Warum Gold überhaupt ins Depot passen kann, erklärt In Gold investieren – sinnvoll oder nicht?.
Dein nächster Schritt: Leg dir für jede Gold-Position einen Zettel oder eine Tabellenzeile mit Kaufdatum, Menge, Kaufpreis und Produktart an – damit weißt du beim Verkauf sofort, ob die Einjahresfrist greift.